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Fachtagung der Fachgruppe Pflege

"Macht und Ohnmacht - wie alltäglich ist Gewalt in der Pflege?" - Diesem
Thema widmete sich heuer die Fachgruppe Pflege in Ihrer jährlich stattfindenden Fachtagung.
Die Fachtagung fand am 24. März 2010 im Landtagssitzungssaal in St. Pölten, Landhausplatz 1, Haus 1b statt.
Einladung

Macht und Ohnmacht - wie alltäglich ist Gewalt in der Pflege

Gewalt an Menschen ist eine Menschenrechtsverletzung!
WHO 2002: „Bei Gewalt gegen Menschen handelt es sich um eine einmalige oder wiederholte Handlung im Rahmen einer Vertrauensbeziehung oder um die Unterlassung geeigneter Maßnahmen, die dem Menschen Schaden oder Leid zufügt.“

Es ist nicht leicht über Gewalt zu sprechen, und schon gar nicht über Gewalt im Pflegebereich. Es ist fast unvorstellbar dass alte Menschen Gewalt ausgesetzt sind, wie auch unvorstellbar ist dass auch Pflegepersonen Gewalt ausgesetzt werden können. Sie ist jedoch allgegenwärtig, tritt in vielerlei Formen auf, kann jeden Menschen treffen und kann in allen Bereichen vorkommen: zu Hause, im öffentlichen Bereich, in Pflegeeinrichtungen, in Krankenhäusern.

Gewalt hat viele Formen:
physische Gewalt – festes Anfassen der Oberarme, hastiges ungeduldiges Eingeben von Speisen
aufgedrängte körperliche Nähe – tätscheln, Verletzung der Intimsphäre wie offene Türen bei der Pflege
Einschränkung des freien Willens – Einschränkung der individuellen noch möglichen Lebensgewohnheiten, „säubern“ des Nachtkästchens ohne Zustimmung
Seelische oder emotionale Gewalt – Respektlosigkeit wie nicht vereinbartes Duzen, reden über den Kopf hinweg
Vernachlässigung – Verwenden von Inkontinenzmaterial statt WC Gang

Es wird immer dann von Gewalt gesprochen, wenn eine Person zum "Opfer" wird, vorübergehend oder dauernd daran gehindert wird, ihrem Wunsch oder ihren Bedürfnissen entsprechend handeln zu können.

Gewalt heißt also, dass ein ausgesprochenes oder unausgesprochenes Bedürfnis des "Opfers" missachtet wird. In der Psychologie ist Gewalt immer als Ausdruck von Aggression definiert.

Bei der Entstehung von Gewalt in der Pflegebeziehung können keine einfachen Ursache-Wirkungsbeziehungen aufgezeigt werden. Vielfältige Bedingungen spielen eine Rolle, wenn man das Phänomen Gewalt greifbar machen möchte.

In der Literatur werden folgende wesentlichen Faktoren genannt, die sich wechselseitig beeinflussen können:

  • Belastungen durch die häuslichen Pflege
  • Schwierigkeiten in der Beziehungsdynamik
  • Persönlichkeitsmerkmale von „Opfer“ und „Täter“ (z.B. psychische Störungen und Verhaltensstörungen des Kranken, „Helfersyndrom“)
  • Soziale Unterstützung und allgemeine Lebensbedingungen (z.B. finanzielle Probleme)

Keiner der genannten Faktoren kann allein die Entstehung von Gewalt in der Pflegebeziehung erklären und vorhersagen. Ihr Zusammenwirken erhöht jedoch das Risiko von Gewalt in der Pflegebeziehung und macht präventive Maßnahmen notwendig, um einem Eskalieren vorhandener Probleme in der Betreuung vorzubeugen.

NICHTS, weder schwierige Situationen noch persönliche Probleme können Gewalt rechtfertigen!

Programm

9.00 Uhr
Begrüßung: Claudia Türk, Hofrat Dr. Otto Huber
Eröffnung: LR Mag. Johanna Mikl-Leitner

9.20 Uhr
"Gewalt und Aggression in Pflegeeinrichtungen und Spitälern - Charakteristika, Inzidenzraten, Maßnahmen"
Dr. Günter Dorfmeister, MSc, DGKP

10.20 Uhr
Pause

10.45 Uhr
"Prävention von Gewalt im Bereich der Pflege"
Anneliese Erdemgil-Brandstätter, DGKS

11.45 Uhr
"Gewalt aus ethischer Sicht"
OA Univ. Lektor Dr. Michael Peintinger

12.45 Uhr
Mittagsempfang gegeben von LH Dr. Erwin Pröll

14.00 Uhr
"Gewalt in der Pflege - Eine Bestandsaufnahme aus berufs- und haftungsrechtlicher Sicht"
Mag. Dr. Christian Gepart, DGKP

15.00 Uhr
"Deeskalationsmanagement - Umgang mit Aggression und Gewalt in der Pflege"
Wolfgang Egger, DGKP

16.00 Uhr
Abschlussworte

Moderation: Claudia Türk

Programm zum Download

Nachbericht der Fachgruppe Pflege

download Nachbericht Fachtagung

Unterlagen der ReferentInnen

Fotos